Geistige Behinderung

Was ist Geistige Behinderung?
Nach der neuen Definition der American Association on Mental Retardation (AAMR) ist ein Individuum dann als geistig behindert zu bezeichnen, wenn die folgenden drei Kategorien zutreffen: der Intelligenzquotient IQ ist niedriger als 70-75, starke Einschränkungen in zwei oder mehr adaptive skill areas und diese Bedingungen haben sich bereits vor dem 18. Lebensjahr manifestiert.

Wie weit verbreitet ist geistige Behinderung?
Die folgenden Statistiken und Informationen über geistige Behinderung wurden Informationen des Population Refernce Bureau, The Arc (früher Association for Retarded Citizens), der Weltgesundheitsorganisation und verschiedenen Vereinigungen für Menschen mit Behinderung entnommen.

in den USA
Hier existieren schätzungsweise 7,5 Millionen Menschen mit geistiger Behinderung. Das macht ca. 2,5 bis 3 Prozent der U.S. Bevölkerung aus. Geistige Behinderung ist:
15 mal häufiger als Zerebralparese
30 mal häufiger als Rückenmarksschädigungen wie z. B. Spina Bifida
36 mal häufiger als totale Blindheit
50 mal häufiger als totale Taubheit

In der Welt
Der Weltgesundheitsorganisation zufolge (1994) sind ca. 156 Millionen Menschen, das sind 3% der Weltbevölkerung, geistig behindert.
Vorkommen auf den Kontinenten:


Afrika:
Australien:
Asien:
Europa:
Lateinamerika:
Nordamerika:
20.310.000                                                                       
      525.000
97.710.000
15.390.000
13.800.000
18.610.000

Geistige Behinderung ist nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft. Es betrifft alle Rassen, Religionsgruppen und Gesellschaftsschichten. Es kann jede Familie treffen. Eine von zehn amerikanischen Familien ist direkt mit geistiger Behinderung konfrontiert.

Was sind adaptive Skill Areas?
Adaptive skill areas sind die Fähigkeiten des täglichen Lebens, die man zum Leben, Arbeiten und Spielen in der Gemeinschaft braucht.
Die neue Definition beinhaltet 10 adaptive skills:

  • Kommunikation
  • Selbstversorgung
  • alleine leben
  • soziale Fähigkeiten
  • Freizeit
  • Gesundheit und Sicherheit
  • Selbstbestimmung
  • intellektuelle Fähigkeiten
  • leben und arbeiten in der Gemeinschaft

Adaptive skills werden überall in der typischen Umgebung einer Person in allen Aspekten eines Lebens gebraucht. Eine Person, die Einschränkungen in den intellektuellen Fähigkeiten hat, aber keinerlei Auffälligkeiten hinsichtlich der adaptive skill areas zeigt, muß nicht als geistig behindert bezeichnet werden. Was sind die Gründe für Geistige Behinderung?
Geistige Behinderung kann durch alles entstehen, was die Entwicklung des Gehirns vor, während oder nach der Geburt beeinträchtigt oder während der Kindheit schädigt. Mehrere hundert Ursachen wurden bereits gefunden, aber in einem Drittel der Fälle bleibt die Ursache unbekannt. Die drei Hauptursachen für geistige Behinderung sind Down Syndrom, vorgeburtliche Alkohlschädigung und fragiles X Syndrom. Die Ursachen können in folgende Kategorien eingeordnet werden:

Genetische Disposition:
Diese resultieren aus Abnormalitäten der von den Eltern geerbten Gene, Fehler bei der Genkombination oder andere genetische Schäden, die während der Schwangerschaft durch Infektion, Röntgenstrahlen u. ä. verursacht wurden. Genetische Abnormalitäten sind auch verantwortlich für Down Syndrom und fragiles X Syndrom.

Probleme während der Geburt:
Der Genuß von Alkohol oder Drogenmißbrauch von Schwangeren kann geistige Behinderung des Kindes zur Folgen haben. Vorgeburtliche Alkoholschädigung macht den größten Teil der geistigen Behinderung aus, die zu vermeiden wäre, und ist in den USA auf dem Vormarsch. Die Rate der Kinder mit vorgeburtlicher Alkoholschädigung ist von 1/10.000 Geburten 1979 auf 6,7/10.000 Geburten 1993 angestiegen. Unterernährung, Röteln, gestörte Drüsen-funktionen, Diabetes und viele andere Krankheiten der Mutter während der Schwangerschaft können eine geistige Behinderung des Kindes nach sich ziehen. Auch Hirnschädigungen und HIV Infektion während der Schwangerschaft können dies zur Folge haben.

Probleme bei der Geburt:
Obwohl jede schwere Geburt, die problematischer als gewöhnlich verläuft, das Gehirn des Kindes schädigen kann, sind Frühgeburten und extrem untergewichtige Neu-geborene am meisten gefährdet.

Probleme nach der Geburt:
Kinderkrankheiten wie Keuchhusten, Windpocken und Masern können das Gehirn schädigen sowie Unfälle, Schläge auf den Kopf und Sauerstoffmangel (z.B. durch Beinahe-Ertrinken). Quecksilber- und Bleivergiftungen können dem Gehirn sowie dem Nervensystem irreparable Schäden zufügen.

Armut:
Kinder von armen Familien sind gefährdeter durch Armut, Bedingungen, die Seuchen begünstigen, unzureichende medizinische Versorgung und umweltbedingte Gesund-heitsrisiken. Auch werden vielen Kinder in benachteiligten Gebieten gesellschaftliche sowie alltägliche Erfahrungen, die für andere Gleichaltrige selbstverständlich sind, vorenthalten. Eine Studie ergab, daß eine Unterversorgung mit Reizen irreversiblen Schaden hervorrufen und so geistige Behinderung begünstigen kann.

Ist geistige Behinderung zu verhindern?
Innerhalb der letzten 30 Jahre haben die Fortschritte in der Forschung viele Fälle geistiger Behinderung vermeiden können. In den USA z.B. verhindern wir jedes Jahr:
250 Fälle von geistiger Behinderung durch Phenylketonie, durch Neugeborenenüberwachung und diätische Behandlung, 1.000 Fälle von geistiger Behinderung aufgrund von congential hypothyroidism durch Neugeboren-enüberwachung und thyroid hormone replacement therapy, 2.000 Fälle von geistiger Behinderung oder Taubheit durch den Einsatz von Rhogam um Rh disease und schwere Gelbsucht bei Neugeborenen, 3.000 Fälle von Masern-enzephallitis durch Impfungen gegen Masern und unzählige Fälle von geistiger Behinderung, die durch Röteln während der Schwangerschaft entstanden sind, durch Impfung gegen Röteln.

Heutzutage gibt es verbesserte Methoden, um Schleudertrauma, Asphyxia (Sauerstoffmangel) und Infektionskrankheiten (z.B. Polio und Masern) zu behandeln und ihre schädlichen Auswirkungen auf das menschliche Gehirn zu verringern. Frühzeitige Präventionsprogramme für besonders gefährdete Babys, Schwangerschaftsvorsorge und Neugeborenenüberwachung haben dazu beigetragen, daß die Zahl der geistig behinderten Kinder gesunken ist.
(The Arc, 1993)